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Von Bratenwender-Hunden & Lassie

Als die Serie des bekanntesten TV-Hund aller Zeiten "Lassie" über die Bildschirme flimmerte, strahlten Millionen Kinderaugen. Man schrieb das Jahr 1954 und Lassie (die eigentlich ein Rüde war), sorgte für eine nervenaufreibende Elternzeit. Viele Kinder wollten auch so einen Hund wie Lassie - einen Spielgefährten, einer der zuhört, den man knuddeln kann und der einen immer wieder aus gefährlichen Situationen rettet. Man könnte meinen, mit Lassie begann eine neue Ära in der Art Hunde zu halten. Denn für die meisten Hundebesitzer zu jener Zeit und davor standen Funktionalität und Stabilität des Hundes als Nutztier im Vordergrund, vorrangig zur Arbeitserleichterung und zum Schutz, manchmal auch als Nahrung. Auch wenn Lassie nur ein abgerichteter und dressierter Fernsehhund war, trug er dazu bei, Hunde aus einer emotionalen Perspektive zu betrachten. Selbst Wissenschaftler begannen erst im vergangenen Jahrhundert, Hunde und ihr Verhalten genauer zu studieren. Bis dato konzentrierte sich die Verhaltensforschung im Wesentlichen auf weisse Ratten und Tauben hinter Gittern. Und man ging davon aus, dass Hunde rein instinktgesteuerte Wesen seien.

 

Heute wie damals

Sie sind Freunde, geliebter Begleiter oder Arbeitstiere. Wir formen Hunde nach unseren Wünschen und doch lieben wir sie. Weil sie besondere Eigenschaften besitzen: Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Und sie werden nicht erst seit heute geliebt. Zahlreiche Bild- und Schriftquellen aus dem Mittelalter beschreiben, dass Hunde durchaus als Gesellschafter und Unterhalter der Menschen damals schon gehalten wurden. Unzählige Gemälde aus dem 18. Jahrhundert stellen Szenen mit spielenden Kindern (meist adlig) und Hunden in der Natur dar. Ab dem 19. Jahrhundert wird langsam deutlich, dass Hunde ebenso zum festen Bestandteil des bürgerlich-städtischen Lebens geworden waren, obwohl Mediziner jener Zeit die Haltung von Hunden zum Vergnügen ablehnten. Dennoch konnten Hunde als Arbeitstiere bereits in dieser Zeit auf eine lange Karriere zurückblicken. Schauen uns einige kuriose Verwendungszwecke an, wovon manche bis ins 20. Jahrhundert hinein gang und gebe waren.

 

Der Bratenwender

Gerade die Briten liebten es, Hunde für alle möglichen und unmöglichen Zwecke zu züchten. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurden in England Hunde sogar eigens dafür gezüchtet, in einer Hamsterrad ähnlichen Vorrichtung zu laufen, die mit einem Bratenwender über dem offenen Feuer verbunden war. Eine fiese Nummer, wenn man sich vorstellt, wie der Hund stundenlang im Rad läuft, ohne an den "Sunday Roast" heran zu kommen. Doch nicht nur auf den britischen Inseln nutzte man Bratenwender-Hunde. Bevor Bernhardinerhunde ihre legendäre Rettungshund-Karriere antraten, mussten sie im 18. Jahrhundert im St. Bernhard-Kloster (Schweiz) ebenso in einem Laufrad ihre Runden drehen, um den Bratenspiess in der Hospizküche zu wenden.

 

Vor den Karren gespannt

Zughunde haben eine lange Tradition. Noch zu Beginn des 20. Jahrhundert wurden grössere Hunde bevorzugt als Zughunde (Karrenhunde) für den Transport von Milch oder für den Verkauf von Gemüse, Brot und anderen Produkten eingesetzt - es war das Fuhrwerk des kleinen Mannes. Wobei es vielmehr die Frauen waren, die Hunde als Helfer hatten. In der Schweiz war es der "Grosse Schweizer Sennenhund", der hauptsächlich den Bauern grosse Dienste leistete, denn nur wenige konnten sich Pferdegespanne leisten. Doch zum Teil wurden den Vierbeinern unglaublich hohe Lasten zugemutet, so dass das Einspannen von Hunden in der Schweiz verboten oder nur mit strengen Auflagen zugelassen wurde.

 

Die sowjetischen Panzerabwehrhunde

Während des Zweiten Weltkrieges wurden in der damaligen Sowjetunion Hunde dazu ausgebildet, mit festgeschnalltem Sprengstoff unter feindliche, deutsche Panzer zu kriechen. Ein Knickzünder auf der Oberseite des Sprengstoffgürtels brachte die Ladung zur Detonation. Die Maschinengewehre an den deutschen Panzern waren zu weit oben, um die am Boden laufenden Selbstmordhunde zu treffen. Nur Truppen, die zu Fuss unterwegs waren, konnten die Hunde erschiessen. Das Unterfangen war trotzdem zum Scheitern verurteilt. Die Tiere wurden an mit Diesel betriebenen Panzern trainiert. Die deutschen Panzer liefen jedoch mit Benzin und die unterschiedlichen Gerüche verunsicherten die Hunde völlig. So dass viele von Ihnen gar nicht erst unter die Panzer krochen, sondern zurück in die eigenen Reihen liefen. Man kann sich vorstellen, welche Gefahr die Hunde in diesen Momenten darstellten. Insgesamt trugen die sowjetischen Panzerabwehrhunde während des Krieges zur Zerstörung von 204 feindlichen Panzern bei.

 

Hunde im All

1957 schickten die Russen die zweijährige Hündin Laika an Bord der Sputnik 2 ins All. In einem 80 Zentimeter langen Metallzylinder begann ihre Reise. Doch als sich die Hitze der dritten, nicht abgestossenen Stufe des Raketentriebwerks ausbreitete, versagten die Kühl-Aggregate. Laika starb bereits einige Stunden nach dem Start an Überhitzung und Stress. Knapp ein halbes Jahr umkreiste die Raket mit der toten Hündin die Erde, bis sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühte. Die Mission galt als Erfolg, obwohl die Russen vorher schon wussten, das die Hündin nicht lebend zurückkehren würde. Mit dem Pionierflug wurde Laika zwar unsterblich, doch viele Tierfreunde waren schockiert. 1960 schickte man die Hunde Strelka und Bjelka an Bord der Sputnik 5 in den Weltraum. Sie umrundeten die Erde 18 Mal und überlebten die Mission.

 

Wo wären wir ohne Hunde?

Vom Wolf zum Nutz- und Arbeitshund bis hin zum Gefährten, Deko-Objekt, aber auch zum Statussymbol - Hunde haben eine erstaunliche Karriere hingelegt. Es grenzt fast an ein Wunder, dass ihr Wille zur Kooperation und ihre Loyalität niemals darunter litten. Wo wäre die Menschheit eigentlich ohne Hund? Die Paläontologin Pat Shipman behauptet sogar, dass es die ersten Haustiere waren, die dem Homo sapiens zum Menschsein verhalfen. Ohne Hunde, Katzen, Pferde und Rinder wäre die Intelligenz und Zivilisation nicht denkbar gewesen. Und Vicco von Bülow alias "Loriot" trifft mit seinem legendären Spruch den Nagel vollends auf den Kopf: "Ein Leben ohne (Hund) Mops ist möglich, aber sinnlos".

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