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Graue Schnauzen

„Früher regte sich Taro masslos darüber auf, wenn ein Hund schneller rannte, als er“, erzählt Helen über ihrem 11-jährigen Retriever. „Seinen Unmut darüber äusserte er dann mit lautem Gebell und versuchte mit allen Mitteln, doch noch schneller zu sein. Meistens schafft er es auch. Doch vor etwa einem Jahr traf ich auf der Hundewiese eine Kollegin mit ihrer dreijährigen Hündin Cari, die voller Lebensfreude über die Wiese rannte. Taro rannte mit, aber nach einigen Metern blieb er stehen, schaute der „fliegenden“ Cara nach und schnüffelte konzentriert an einem Grashalm, als gäbe es grad nichts wichtigeres im Leben. Da wurde mir erst so richtig bewusst, dass Taro alt geworden ist.“

Nicht nur wir bekommen im Alter graue Haare, auch unsere vierbeinigen Begleiter werden grau um die Schnauze. Sie sind weniger aktiv und manchmal auch weiser in ihren Entscheidungen. Alles läuft etwas langsamer ab, als früher. Das passiert natürlich nicht von einem Tag auf den anderen, doch es kommt der Zeitpunkt, wo ganz deutlich zu erkennen ist: Mein Hund ist ein Senior. 

 

Wann ist ein Hund alt?

Die Umrechnung von Hundejahren in Menschenjahre hilft uns, das Alter des Hundes einzuschätzen und auf die jeweiligen Bedürfnisse besser einzugehen. Die veraltete Regel, dass ein Hundejahr 7 Menschenjahren entspricht, ist längst überholt. Wahr ist allerdings, Hunde altern schneller als Menschen und kleine Rassen haben in der Regel eine höhere Lebenserwartung als grosse. Deshalb gelten Vertreter grosser Rassen wie Bernhardiner mit 7 Jahren schon zu den Greisen, während kurzbeinige, kleine Hunde mit putzmunteren 12 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehören. 

 

Die Ernährung 

Ab einem gewissen Alter werden unsere Hunde gemütlicher und verschlafen auch gerne mal den halben Tag. Wie bei uns Menschen hat dies Einfluss auf den Stoffwechsel und die Verdauung, alles läuft ab jetzt etwas langsamer ab. Vierbeinige „Pensionisten“ verbrauchen weniger Energie und ihre Muskelmasse nimmt ab. Folglich nimmt der eine oder andere Hund gerne mal ein paar Pfündchen zu. Deshalb ist es ratsam, das Futter anzupassen. Nach wie vor benötigt dein Hund alle guten Nährstoffe, jedoch weniger Kalorien, dafür mehr Ballaststoffe und hochwertiges Protein. Um seiner Verdauung etwas gutes zu tun, verteile das Futter auf zwei bis drei kleinere Portionen am Tag, das schont auch Herz und Kreislauf. Ein Ernährungsberater oder der Tierarzt kann dich bei der Futterumstellung unterstützen.

 

Die kleinen und grossen Zipperlein 

Hunde können uns nicht erzählen, wenn ihnen etwas weh tut. Mache es dir deshalb zur Gewohnheit, deinen Hund wöchentlich „abzuchecken“. Am besten gelingt Dir das, wenn er gerade entspannt liegt. Aber bitte keine „schlafenden Hunde wecken“. Beginne mit einer kleinen Massage und taste dabei seinen Körper nach Veränderungen ab (evtl. Knotenbildung unter der Haut). Schau ihm ins Maul und in die Ohren. Nimm auch die Pfoten unter die Lupe. Vielleicht müssen die Krallen öfters geschnitten werden, da dein Senior nicht mehr so viel läuft. Nehme Auffälligkeiten nicht auf die leichte Schulter, plane lieber einmal mehr einen Besuch beim Tierarzt ein, wenn Dir etwas ungewöhnlich vorkommt. Viele kleine Zipperlein sind oft gut behandelbar, aber im Ernstfall zählt jede Minute. Deshalb ist eine regelmässige Altersvorsorgeuntersuchung (Alters-Screening) wichtig.

 

Bei der Altersvorsorgeuntersuchung werden in der Regel folgende Parameter tierärztlich untersucht. Empfehlenswert ist eine halbjährige Wiederholung.

  1. Ausführliche Allgemeinuntersuchung. (Gewicht, Zähne, Ohren, Augen, Abtasten. Herz-Kreislauf, Bewegungsapparat)
  2. Blutdruckmessung
  3. Laboruntersuchung von Blut zur Früherkennung von Veränderungen im Blutbild, und von Nieren, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
  4. Laboruntersuchung von Urin (eine frische Urinprobe kann mitgebracht werden)
  5. Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane

Der Umgang mit Hundesenioren

Auch Oldies haben ein Recht auf Spass im Leben. Es gibt nicht Schlimmeres als der Anblick eines betagten Hundes, der gelangweilt hinter seinem Besitzer hertrottet. Die Besorgnis, es könnte ihm nicht gut dabei gehen, wenn man mit ihm spielt oder ihn geistig fordert, ist bei vielen Besitzern gross. Nimm dir die Zeit, um herauszufinden, an welchen Dingen dein Hund Freude hat. Suchspiele eignen sich wunderbar, um etwas Abwechslung zu bieten, auch wenn er nicht mehr gut sieht oder nicht mehr so flink auf den Beinen ist. Achte jedoch darauf, deinen Ruheständler nicht zu überfordern. Er wird dir sicher signalisieren, wenn es ihm zu viel wird. Mantrailing oder die Fährtensuche sind ebenfalls artgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten, die auch älteren Hunden Spass machen.

 

Nonverbale Kommunikation

Seniorfifi hört dich nicht mehr? Dann kann die nonverbale Kommunikation Gold wert sein. Insofern man sie vor dem Hörverlust mit dem Hund trainiert hat. Verbale Kommandos, wie Sitz, Platz, Fuss, Komm etc. werden dazu mit einem Handzeichen (Sichtzeichen) unterlegt. So weiss auch der schwerhörige Vierbeiner, was Du von ihm möchtest. Willst Sie die nonverbale Kommunikation mit deinem bereits erwachsenen Hund trainieren, musst du gegebenenfalls etwas geduldiger mit ihm sein. Ich kann Dir gute Tipps geben, so dass schwerhörige und/oder sehgeschwächte Seniorenhunde sicherer durchs Leben kommen.

 

Altersbedingte Verhaltensprobleme 

Betagte Hund verhalten sich anders, als du es gewohnt bist, darauf solltest Du dich schon mal vorbereiten. Neben den körperlichen Beschwerden geht mit dem Alterungsprozess auch ein geistiger Abbau einher. Eine unschöne Begleiterscheinung ist der Beginn einer kognitiven Dysfunktion, einer Alzheimer ähnlichen Erkrankung, die zu Verhaltensveränderungen führt. Dazu muss es aber nicht immer kommen und nicht alle Symptome bedeuten das Vorliegen von CD.

Schlussendlich kann nur in einer klinisch, neurologischen Untersuchung festgestellt werden, ob die Krankheit vorliegt. Eine medikamentelle Therapie kann Linderung verschaffen. Die Unterstützung eines Verhaltenstrainers ist bei positivem sowie negativem Befund empfehlenswert. 

 

Jeder Hund hat seine eigene Persönlichkeit und Vorgeschichte. Nicht immer muss es im Alter zum „worst case“ kommen. Das Zusammensein mit einen Hundesenior kann auch eine wundervolle und aktive Zeit sein, an die man sich später gerne zurückerinnert. Wenn dein Vierbeiner im Alter ein paar verhaltensoriginelle „Macken“ mehr zeigt als früher, sei etwas nachsichtiger und denke immer daran: Auch alte Hunde wollen Freude am Leben haben.

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