Stress beim Gassigang

Die meisten Hundebegegnungen verlaufen friedlich. Aber nicht alle...manchmal entpuppen sie sich für Hundehalter und Hund zu wahren Horrorvorstellungen. Kein Wunder, sie haben offensichtlich schon einige schlechte Erfahrungen gesammelt, die weit entfernt liegen von: Begegnen, spielen und einfach weiter gehen.

 

Warum enden viele Hundebegegnungen unschön? 

Bei der Begegnung mit anderen Hunden sind unsere Fellnasen auf unsere Unterstützung angewiesen. Doch genau in dieser Situation lassen wir sie oft alleine. Nicht etwa aus Gleichgültigkeit, wir feiern ja auch schliesslich ihre Geburtstage, sondern weil die wenigsten Hundehalter Kenntnis über die Körpersprache der Hunde haben oder noch nie etwas vom „Hundeknigge“ gehört haben. Es gibt keine Garantie für einen sofortigen Freundschaftspakt zwischen zwei Hunden, die sich das erste Mal begegnen. Die Karten werden in jeder Begegnung neu gemischt. Umso mehr Erfahrung du mit den feinen Signalen hast, die Hunde aussenden, umso souveräner kannst du potenziell gefährlichen Hundebegegnungen aus dem Weg gehen oder weisst, sie zu handeln. Mitdenken und Rücksichtnahme mit eingeschlossen.

 

Hundebegegnungen müssen gelernt werden

Hunde brauchen Sozialkontakte, das steht ausser Frage. Doch vorweg: Nicht jeder Hund liebt „seinesgleichen“ und nicht jeder spielt gerne mit ihnen. Welpen lernen zwar den sozialen Umgang mit Geschwistern und der Mutter, aber kaum mit fremden Hunden. Um so mehr muss der Welpe den sozialen Umgang lernen, wenn er in eine neue Familie kommt. Dazu gehören auch Begegnungen mit anderen Hunden. Ein Welpe hat`s echt schwer, aber mit deinemWissen um die Körpersprache des Hundes weisst du auch, wann es Zeit ist, den jungen Welpen aus einer Situation herauszunehmen. Leider müssen viele Junghunde ihre eigene Strategie entwickeln, um Begegnungen mit fremden Artgenossen zu meistern, da von ihren Menschen keine Unterstützung zu erwarten ist. Und diese Strategien sind nicht immer in unserem Sinne. Spätestens, wenn der Fellliebling in die Pubertät kommt und für andere Hunde damit auch anders riecht, kommt auch der Tag, an dem der Hund nicht mehr so freudig von anderen Hunden begrüsst wird. Die Welpenstrategie des freudigen Daraufzulaufen und Grenzen austesten funktioniert nicht mehr, es muss eine bessere her. Für einige Hunde bleibt dann nur eins: Attacke! 

Wer seinen Hund früh genug mit Rückhalt und Sicherheit unterstützt, hat grosse Chancen, auch in Zukunft, stressfrei Begegnungen zu meistern. Der Mensch regelt, nicht der Hund. 

 

Es gibt viele Gründe, warum ein Hund ungehalten auf andere Hunde reagiert. 

- schlechte Sozialisation (wenig Erfahrung im Umgang mit fremden Hunden)

Ressourcenverteidigung (Stöckchen, Spielzeug etc.): Auch du mit Gudelis in der Tasche kannst eine Ressource darstellen, die es zu verteidigen gilt.

- Territoriales Aggressionsverhalten: Viele Hunde sind territorial und verteidigen Haus und Hof gegen Eindringlinge. Daraufhin wurden viele Rassen schliesslich gezüchtet. Ergo wird auch gerne das nahe Umfeld verteidigt. Du gehstöfter am gleichen Ort spazieren? Auch wenn dieser weit weg vom eigenen Zuhause ist, kann er zum eigenen Territorium ernannt werden. Und dieses gilt es natürlich ebenso zu verteidigen.

- Konkurrenz (beispielsweise unter unkastrierten Rüden, aber auch Hündinnen)

- Schmerzen

- Unsicherheit

- traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit

- mangelnde Auslastung

etc.

 

Orientierung am Menschen

Der Schlüssel zum Erfolg bei Hundebegegnungen liegt in der Kommunikation und in der Orientierung am Menschen. Das Wichtigste: Nicht der Hund regelt die Begegnung, sondern du.

Du solltest die Signale der Hunde zu deuten wissen und entscheidest dann, ob ein Kontakt stattfindet oder nicht. Hunde kommunizieren durch Blickkontakt schon lange vor der Begegnung. Dies gilt es zu berücksichtigen.

 

Tipps 

1. Der Rückruf muss sitzen

2. Führe deinen Hund nicht frontal auf einen anderen zu. Besser zügig, aber souverän in einem Bogen um den anderen Hund herum.

3. Begegnungen und Beschnüffeln an der Leine sind tabu.

4. Lass deinen freilaufenden Hund nie zu einem angeleinten Hund hinlaufen.

5. Wähle übersichtliche Strecken für den Gassigang.

6. Lass dich nicht dazu drängen, deinen Hund abzuleinen, wenn Du dir nicht sicher bist.

 

So verhälst du dich richtig, wenn es zur Rauferei kommt

1. Oberstes Gebot: Ruhe bewahren 

2. Kommt ein Hund auf dich zu gerannt, mach dich gross und stelle dich zum Schutz vor Deinen eigenen Hund.

3. Leine fallen lassen, um dem eigenen Hund mehr Freiraum zu geben (nicht an der Strasse).

4. Selbstschutz geht vor. Bitte nicht versuchen, zwei Streithähne auseinander zu ziehen.

5. Nicht schreien oder laut pfeifen, das stachelt die Hunde noch mehr an.

6. Eine Jacke über die Hunde werfen, um den Blickkontakt zu unterbrechen. Oder man spannt einen Schirm zwischen den beiden auf.

7. Kein Futter werfen. Dafür interessieren sich Hunde während eines Streites nicht grossartig. Im Gegenteil. Verfressende Hunde neigen dann erst recht dazu, einen Streit anzuzetteln.

 

Schlechte Erfahrungen bei Hundebegegnungen können prägend sein – auch für den Menschen. Wenn der Schrecken immer noch fest im Nacken sitzt, ist es schwierig, Ruhe zu bewahren und souverän zu handeln. Mit dem Erlernen der Hundesignale und einem gezieltem Training vertreiben wir deine Angst und die Unsicherheit deines Hundes. So lassen sich Hundebegegnungen in Zukunft gelassen meistern.

Anne Weber

Dipl. Tierpsychologin

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